Geronymakis: Kampf um Kreta

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Kanakis Geronymakis in Vouvas

Kanakis Geronymakis lebt in Vouvas (Sfakia). Er ist Autor zahlreicher Bücher zur Volkskunde und Geschichte der Sfakia. In ganz Kreta bekannt sind seine Skizzen, mit denen er das Alltagsleben und Arbeit anschaulich macht. Er hat uns einen Text für eine geplante Veröffentlichung über die deutsche Besatzungszeit zur Verfügung gestellt.






Kanakis Geronymakis: Der Kampf um Kreta

Wir waren Kinder als die Schlacht um Kreta tobte. Ich war Mandratsis in einem Mitato bei Bóthones, zirka 600 m östlich der Imvros-Schlucht (Ein Mandratsis ist der Junge, welcher sich im Mitato um Holz und Wasser kümmert, die Geräte reinigt und dem Käsemacher bei der Milchaufbereitung hilft).

German paratroopers jumping From Ju 52s over Crete.jpg

Am 20. Mai vormittags überflogen uns 12 Flugzeuge von Chania aus kommend in Richtung Libysches Meer, es waren die, die die ersten Fallschirmspringer abwarfen. Nach zwei, drei Tagen begannen die Engländer Richtung Sfakia zurückzuweichen und es wurde offensichtlich, dass die sfakiotischen Dörfer die über befahrbare Wege zu erreichen waren, schon bald zum Kriegsschauplatz werden würden. Einige Familien aus Imbros kamen und blieben in unserem Mitato.

Als die Deutschern nach Askyfou einmarschierten, kamen ungefähr 100 und (καταβληστήκανε?) bezogen Stellung bei Frama, so um die 600 Meter östlich von uns. Etwas westlicher, bei Tsounos in einem Zypressengestrüpp bezogen gewöhnlich zwei Beobachtungsposten mit Funkgerät und Fernstecher Stellung, wo ihnen direkt gegenüber auf der westlichen Seite der Schlucht die Engländer lagen. Die Deutschen beobachteten jede ihrer Bewegungen und gaben sie weiter.

Das erste Mal, dass ich Deutsche von nahem sah, war, als zwei von ihnen ins Mitato kamen: mit den Fingern am Abzug ihrer Lugers nahmen sie von unserem Käse. Als wir ihnen sagten, dass wir kein Geld dafür wollten, steckten sie einem Kind zwei blaue Zwanziger in den Kragen. Sie betrugen sich uns gegenüber sehr achtungsvoll, gewiss weil sie einen guten Eindruck machen wollten.

Die Stukas und Junkers warfen ihre Bomben ab als sie genau über unseren Köpfen waren. Die Bomben flogen weiter in der Richtung, die die Flugzeuge im Moment des Abwurfes hatten und schlugen 1500 Meter weiter in der westlichen Seite der Schlucht ein, dort wo die Engländer waren. Ich sah sie auf ihrem Weg am Himmel, hörte ihr Pfeifen, wenn sie die Luft durchschnitten und sah sie aufschlagen und explodieren. Einmal kamen drei Flugzeuge und warfen ihre Bomben, die eine traf im senkrechten Sturz mit hoher Präzision drei Autos, die gegenüber der Zisterne von Mitro abgestellt waren. Die Autos waren mit Munition beladen, fingen Feuer und brannten. Das war am Nachmittag, noch bis Mitternacht hörte ich Explosionen und sah deren Blitze.

Nach dem Kampf ging ich hinaus und fand ein Grab am Straßengraben. Es erschien mir recht groß, so dass es zwei bis drei Tote beherbergen mochte.

Ein anderes Mal kamen vier Flugzeuge, aber eines flog nicht zu seiner Basis zurück. Es stürzte an der westlichen Seite der Schlucht ab. Wir erfuhren, dass es vom Maschinengewehr eines Neuseeländischen Soldaten getroffen worden war. Die zwei Piloten verbrannten, weil es Feuer fing, ich sah sie ....