Kallikratis

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Kallikratis Mahnmal
Kallikratis Mahnmal



Inhaltsverzeichnis

Der Ort

Kallikratis, ein Dorf mit etwa 20 Einwohnern, liegt 12 km (Luftlinie) ostnordöstlich von Chora Sfakion, 7 km vom Libyschen Meer entfernt, an einer Ebene in 800 m Höhe. Es gehört zum Dimos Sfakia im Nomos Chania.

Traditionell wurde Kallikratis nur im Sommer bewohnt, im Winter zogen die Einwohner mit ihren Herden in die Orte Patsianos und Kapsodasos oberhalb der Ebene von Frangokastello.

Seit wenigen Jahren gibt es eine asphaltierte Straße durch die Berglandschaft. Sie führt über Imbros, Asfendos, Kallikratis, Asi Gonia (oder Miriokefalo) Argiroupolis (Lappa), Episkopi an die Nordküste.
Eine steile, serpentinenreiche, seit 2007 asphaltierte Straße führt östlich der Kallikrationo-Schlucht über Patsianos/Kapsodasos nach Frankokastello an die Südküste.


Weblinks:
Bildergalerie Kallikratis 1
Bildergalerie Kallikratis 2

Was geschah

Kallikratis Mahnmal
Kallikratis Mahnmal

Am Nachmittag des 8. Oktober 1943 wurden die 33 Einwohner, derer man habhaft geworden war (die meisten stammten aus Kallikratis) zu einem benachbarten Ort auf dem Kallikratis-Plateau, namens “Pipilida”, gebracht und dort bei einer Ruine hingerichtet.

Es waren 29 Personen, 20 Männer und 9 Frauen. [1]

"Während der Nacht umzingelten die Deutschen das Dorf - ihre klassische Überfallmethode - und am Morgen kamen sie herein und trieben die Einwohner aus ihren Häusern. Sie verlangten, ihnen alle Waffen, die es im Dorf gäbe, zu übergeben und drohten mit dem Tode, wenn die Einwohner dem nicht folgten. Einige Männer übergaben ihre Waffen, doch dies nahmen die Deutschen zum Anlaß, sie zu exekutieren, zusammen mit anderen Männern, die sie im Dorf angetroffen hatten.

Kallikratis, Gebeine
Kallikratis, Gebeine

Die Frauen und Kinder wurden in die Kirche getrieben und dann wurden die Männer im Kirchhof erschossen, im Angesicht ihrer Familien. Viele Männer konnten jedoch entkommen, da sie aus Vorsicht außerhalb des Dorfes geschlafen hatten.

Das Dorf wurde dann zerstört und jedes Haus angezündet. Man berichtete, daß alte und bettlägrige Menschen, die ihr Haus nicht verlassen konnten, in den Häusern umkamen. Die Frauen und Kinder wurden von ihrem zerstörten Dorf weggetrieben. Die Deutschen gaben bekannt, daß sie jedes Dorf in der Region zerstören würden, bis die Einwohner verrieten, wo sich die Bandouvas-Bande aufhielte." [2]

Hintergrund

Nikitas Manouselis auf dem Weg zu Anemospilia
Nikitas Manouselis auf dem Weg zu Anemospilia

"Als Folge des Aufeinanderstoßens der Bandouvas-Gruppe, unterstützt von den Anwohnern, und einer deutschen Patrouille in der Nähe von Kali Sykia. Ausgeführt von "Jagdkommando Schubert", Griechische Einheit unter Sdf (Z) Schubert (Verhör von Baltzakis und Katzalakis, Mitglieder dieser Einheit. Appx. 'A' to 3rd Report by LtCol Dunbabin 27.Januar 44)" [3]

Zwischen Kallikratis und Asfendos in einer Höhle unterhielten die Briten eine Funkstation. Sie liegt an der Rückseite des Hügels von Bild 1. Nach Süden hin lässt die Bergkette einen Blick aufs Meer frei, so konnte in Richtung Afrika gesendet werden. In einer zweiten Höhle in der Nähe lebten die Männer, bis zu drei Briten und Griechen. Nikitas Manouselis, der uns zur Höhle führt, erinnert sich, sein Bruder hat die Männer, die sich dort versteckten, mit Essen versorgt.

Aus Georgios Psychoundakis, The Cretan Runner [4]: "Wir mussten unser Versteck sofort wechseln. Wir packten zusammen und gingen zur anderen Seite von Kallikratis, zwischen dem Dorf und Asfendos. Dort war ein niedriger Hügel mit einer kleinen Höhle an der Spitze, Anemospilia, Windhöhle, genannt. Buschwerk bedeckte die Kuppe und die Höhle war nicht sichtbar. Ein wunderbares Versteck. Wir hatten Wasser aus einer Zisterne auf eine kleinen Ebene in der Nähe, Lambonas genannt, und Verpflegung aus Kallikratis. Wir blieben dort den ganzen April (1942) und fast den ganzen Mai und konnten unsere Arbeit großartig fortsetzen.



Opfer

Auf dem Gedenkstein in Kallikratis sind als Opfer des 8. Okt 1943 aufgeführt: 27 Namen, 18 Männer, 8 Frauen und ein 10-jähriger Junge. Die Frauen waren zwischen 65 und 80 Jahre alt. Sehr wahrscheinlich waren die Männer in ähnlichem Alter.

Die Einwohner wurden im Ortsteil Pipilida hingerichtet (nicht im Kirchhof).

Täter

Ausgeführt von Jagdkommando Schubert, Griechische Einheit unter Sdf (Z) Schubert

Erinnerungen

Kafeneion von Nikitas und Ariadni Manouselis in Kallikratis, mit Skulpturen von Nikitas
Kafeneion von Nikitas und Ariadni Manouselis in Kallikratis, mit Skulpturen von Nikitas

"Ich war elf Jahre alt. Wir Kinder und die Frauen haben uns in einer Höhle versteckt. Wir hatten Hunger und haben das Grünzeug rund um die Höhle gesammelt und gegessen. Die Deutschen haben viele Männer erschossen, auch meinen Vater." Nikitas Manouselis, Kallikratis

"Sie haben alle Frauen und Kinder aus den Häusern getrieben, so wie sie waren. Und dann haben sie die Häuser geplündert, alles mitgenommen, Kleider, Decken, Essen... Eine Verwandte hatte ein Baby, ein paar Monate alt. Nichts konnte sie mitnehmen. Ein deutscher Soldat hat sie gesehen, er hat fast geweint. Vielleicht hatte er auch ein kleines Kind zuhause. Er hat eine Decke aus einem Haus geholt und der Mutter gegeben, 'für den Picolo' hat er gesagt. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaus, wenn ich das erzähle."

"Warum wir die Deutschen nicht hassen? Nein, ich hasse sie nicht. Es war Krieg. Ihr seid nicht Schuld daran. Aber mein Vater konnte die Deutschen nicht aushalten. Wenn Deutsche kamen, Touristen, dann ist er immer ins Haus gegangen. Er hat viel durchgemacht." [1]

Belege

  1. Aus der Erinnerung zitiert nach Gesprächen im Mai 2005 und im September 2007



Weblinks


Lage

Kallikratis-Ebene, Foto: Google-Earth
Kallikratis-Ebene, Foto: Google-Earth
  • Koordinaten (Kirchplatz): N 35°14,880', O 24°15,40'
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