Chora Sfakion

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Der Ort

Chora Sfakion

Chora Sfakion ist ein kleiner Fischer- und Touristenort an der westlichen Südküste Kretas am Libyschen Meer und der Hauptort des Verwaltungsbezirks (Dimos) Sfakia im Nomos Chania.

Der Ort hat etwa 300 Einwohner (278 bei der Zählung 2001), etwa 25 Kirchen und Kapellen, eine Grundschule und ein Gymnasium (ohne die Oberklassen).

Die Bewohner leben vor allem vom Tourismus. Landwirtschaft (Oliven, Schafe) und Fischfang werden noch in geringem Umfang betrieben.

Eine 39 km lange, serpentinenreiche Straße führt durch die östlichen Ausläufer der "Lefka Ori" (Weiße Berge) über Imbros und Askifou nach Vrisses. Dort trifft sie auf die Ost-West Schnellstraße Chania - Iraklion (New Road). Weitere Straßen: Eine schöne Panoramastraße entlang der Südküste nach Osten über Frangokastello, Sellia und eine Straße nordwestlich nach Anopolis, Aradena und Agios Ioannis.

Zu den westlich gelegenen Küstenorten Loutro, Agia Roumeli, Sougia und Paleochora sowie zur Insel Gavdos (38 km südlich Kreta) gehen Fähren. Ein neuer Hafen wird gerade fertiggestellt. Er bietet kleineren Schiffen ganzjährig sehr guten Schutz.

Die Gegend von Chora Sfakion ist ein ideales Wanderrevier mit vielen alten, teils gepflasterten, Pfaden. Auch der Europawanderweg E4 führt hier vorbei.


Evakuierungen alliierter Soldaten: 28. Mai bis 1. Juni 1941

Evakuierungskarte aus dem Nautischen Museum Chania. Sfakia: 13003 Evakuierungen
Chora Sfakion Juni 1941
Chora Sfakion 1.Juni 1941, Gefangennahme alliierter durch deutsche Soldaten

Nach der Niederlage in der 'Schlacht um Kreta' versuchten die alliierten Soldaten (v.a. Briten, Australier, Neuseeländer) die Insel über Häfen an der Südküste zu verlassen. Tausende kamen nach Sfakia, von hier aus fanden Evakuierungen nach Ägypten statt.

  • 28./29.Mai 1941: die Zerstörer Khandahar, Kelvin and Nizam evakuierten 724 alliierte Soldaten und 20 andere Personen, "dabei Griechen, Frauen, Kinder und einen Hund"[1]
  • 29./30.Mai 1941: die Zerstörer Phoebe, Perth, Calcutta, Coventry, Jervis, Hasty, Janus, Glen ship Glengyle brachten nach Armeereport 6029 Personen nach Alexandria. Die Perth erhielt einen Volltreffer, vier Mann der Crew und neun Soldaten wurden getötet.
  • 30./31.Mai 1941: die Zerstörer Nizam, Kelvin, Khandahar and Napier fuhren zur Evakuierung aus. Bei der Khandahar stellte sich ein Defekt heraus, die Kelvin wurde bei der Hinfahrt durch einen Nahtreffer beschädigt und beide Schiffe kehrten nach Alexandria zurück. Die Napier wurde auf der Rückfahrt durch einen Nahtreffer beschädigt. Nach Armeereport wurden 1510 Personen nach Alexandria gebracht.
  • 31.Mai/1.Juni 1941: der Kreuzer Phoebe, die Zerstörer Kimberley, Hotspur und Jackal, und der Minenleger Abdiel wurden nicht angegriffen. Nach Armeereport landeten 3710 Personen in Alexandria. Das Flugboot Sunderland evakuierte 54 Personen, einschließlich der Generäle Freyberg and Weston.

Viele Soldaten erreichten kein Schiff mehr und wurden als Kriegsgefangene nach Nordkreta zurückgeführt. Einige entkamen und wurden von der kretischen Bevölkerung in den Bergen, in Dörfern und Klösten versteckt.

Die Deutschen Kampftruppen erreichten am 1. Juni 1941 Chora Sfakion und richteten für die nächsten zwei Monate ein Lager für 500 ihrer Soldaten ein. [2]

Hinrichtungen von Sfakioten: 1. bis 8. September 1941

Mahnmal in Chora Sfakion
Chora Sfakion: Gebeine im Mahnmal

Viele Kreter aus der Umgebung wurden gefangen genommen und in Chora Sfakion im Haus von N. Manousogiannakis eingesperrt. Ab 1. September wurden im Haus von Andreas Vourdoumpas durch einen Militärrichter Urteile gefällt. Diejenigen Angeklagten, die zum Tode verurteilt waren, wurden zu je zwei zu einem Graben auf den Hügel hinter der venezianischen Festung geführt. Ihre Oberkörper wurden entkleidet, sie wurden fotografiert und dann erschossen. Die Toten mußten am Ort liegen gelassen werden und durften einige Tage lang nicht beerdigt werden. [3]

Diese Erschießungen geschahen im Rahmen des "Sonderunternehmen Völkerbund": eine Fahndungsaktion nach Zivilisten, auch in der Sfakia, die gegen die deutsche Besetzung Kretas gekämpft hatten. Eines der drei Standgerichte war in Chora Sfakion. In der Sfakia gab es eine Widerstandsgruppe, die von Georgios Katsias geführt wurde. Sein Name ist unter denen der Exekutierten.

Die Opfer

Namen der Opfer
Namen der Opfer

Auf dem Gedenkstein in Chora Sfakion für die Opfer der Hinrichtung sind 25 Namen aufgeführt. Die Opfer waren aus

  • Chora Sfakion: 3
  • Komitades: 1
  • Agia Roumeli: 2
  • Livaniana: 1
  • Anopolis: 14
  • anderen Orten: 4


Erinnerungen

Bildbericht: Chora Sfakion 1991, 50-Jahrfeier der Schlacht um Kreta 1941

Die Lage

SwKw Dimos Sfakion.jpg


Koordinaten (Leuchtfeuer alter Hafen, WGS84): N 35°12,04', O 24°08,11'

Belege

  1. zitiert nach: nzhistory.net
  2. nzhistory.net: Neuseeländischer Bericht über den Rückzug über Sfakia (engl.)
  3. Artikel in "Chaniotika Nea" am 2.8.2001 und Manouselis,Giorgios: Sfakia, Petrina Chronia 1940-45. S.107 ff

Weblinks

Siehe auch

Kurzbericht 1.6.41 des Gebirgs-Jäger-Regiments 100