Dokument: Kurzbericht 1.6.41

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(Anlage 1171)[1] (367)(368)(369)

Gebirgs-Jäger-Regiment 100 Ia

Rgts.Gef.St.Imwros, den 1.6.41



Kurzbericht über die Kampfhandlungen des G.J.R.100 Vom 29.5. – 1.6.41 .


Das Regiment, voraus das I.Btl., traf am 29.5. nachmittags in Verfolg des von der Division gegebenen Auftrages – Vorstoss nach Loytro – auf der Passhöhe 4 km südl. Alikampos wieder auf Feind, der jedoch durch Umgehungsangriff des I.Btls. nach Aufbau der schweren Waffen schnell und verlustlos zum Zurückgehen gezwungen wurde.

Am 30.5 9.15 Uhr traf das I.Btl. in Gegend Imwros erneut auf starken Feind, der zunächst langsam und unter Einsatz von Panzern und mit Strassensprengungen sich zäh verteidigend gegen Süden auswich, sich dann aber in Gegend Strassenende – Höhe 798 zur nachhaltigen Verteidigung setzte, gegen die frontal anzugreifen, unmöglich war. Der daraufhin vom I.Btl. mit 2 Kp. über Lakki auf 798 und mit 1.Kp. über 1180 auf 892 angesetzte Umfassungsangriff kam infolge der außerordentlichen Geländeschwierigkeiten und Höhenunterschiede am 30.05 nicht mehr zum Tragen. Der Gegner verstärkte im Gegenteil seine Flügel beiderseits des Strassenendes, vor allem im Westen auf Höhe 836 und legte Feldstellungen an.

Die Umfassung des I.Btl. war auf Grund dieser neuen Feindlage zu wenig ausholend und konnte auch am 31.5. nicht mehr zur Wirkung kommen. Das I.Btl. wurde daher von mir angehalten mit dem Auftrag den Gegner frontal zu binden, während in weit ausholender Umfassung, antretend am 31.5. 4.30 Uhr in Askifos die 7. Kp. rechts über 1186 –1173 – 979 auf Chora Sfakion, die 8. Kp. links über Asphendon auf Ag.Antonios (P.206) angesetzt wurde. Die im Laufe des 31.5. auf 892 bei der dort liegenden 1.Kp. aufgebaute Rgts. B-Stelle gewährte ausgezeichneten Einblick in das gesamte Feindgelände südl. der Berghänge von Chora Sfakion bis Braskas. Starke Feindansammlungen wurden im Komitades und Chora Sfakion festgestellt. Ostw. Komitades arbeitete der Gegner an einer nach Osten gerichteten Feldstellung mit Drahtsperren. Die erkannte Stärke des Feindes veranlasste mich den ursprünglich auf 1.6. 8.00Uhr festgesetzten Umfassungsangriff aufzuschieben und erst nach stärkster Stukavorbereitung und mit Artl. Unterstützung im Laufe des 1. 6. durchzuführen. Stuka und Art. mussten mangels der Unmöglichkeit mit Funk in Verbindung mit der Division zu treten, durch Ordz. Offz. in 7 – stündiger Fahrt erbeten werden. Um die beherrschende Höhe 892 noch rechtzeitig für den Angriff am 1.6.41 auszunützen, wurde 1 1.J.G. des II.Btl. mit 120 I.G. Granaten unter grössten Schwierigkeiten, teilweise im Mannschaftstransport auf der Höhe 892 in Stellung gebracht.

Die von der Division zugesagte Artl. Unterstützung, mit deren Wirksamwerden erst am 1.6. nachmittags zu rechnen war, veranlasste mich am Abend des 31.5. den Angriff für 1.6. völlig abzusagen, den 1.6. nur zur völligen Einschliessung des Gegners zu benützen und im Übrigen am 1.6. den eingekesselten Gegner durch Stuka und Artl. mit grossem Mun. Einsatz sturmreif zu schiessen. Am Morgen des 1.6. wurde entgegen den gehegten Erwartungen nur von 4 Stukas und 4 Zerstörern ein Angriff auf Chora Sfakion geflogen. Das auf 892 in Stellung befindliche 1. I.G. eröffnete gegen 8.00 Uhr bei ausgezeichneter Beobachtung wohlgezieltes Feuer, das infolge seiner Überhöhung in jede Deckung des Engländers reichte. Der Feind verliess auf dieses Feuer hin seine Deckungen und suchte planlos im Gelände Schutz. Teilweise wurden weisse Flaggen gezeigt. In Ausnützung des hervorragend liegenden I.G. Feuers traten die 7. und 8. Kp. Ohne weitere Artl. Unterstützung abzuwarten gegen 9.00Uhr selbständig zum Angriff auf Chora Sfakion bzw. Komitades an. Die 8. Kp. Erreichte um 10.00Uhr kampflos Komitades, die 7. Kp. 13.30 Uhr nach Brechung geringen Feindwiderstandes Chora Sfakion.

Das auf die Durchgabe dieser Lagenmeldungen hin frontal entlang der Strasse vorfühlende I.Btl. fand die am Vortag noch so stark besetzten Feindstellungen geräumt und stiess sofort auf Komitades vor. Es ist z. Zt. im Vorgehen von Skafion auf Loytro um den Hafen in Besitz zu nehmen. (Lutro wurde am 1.6. 30.00 Uhr genommen)

Die um 11.30 Uhr mit der 1.Battr. feuerbereite I./95 kam nicht mehr zum Schuss.

Der weitausholende im schwierigsten Gebirgsgelände angesetzte Zangenangriff hat zu vollem Erfolg geführt, dem Feind die Aussichtslosigkeit weiteren Widerstandes gezeigt und ihm zur Waffenstreckung veranlasst. Mitbestimmend für seine Waffenstreckung mag seine schwierige Verpflegungslage gewesen sein – fast sein gesamter Nachschub an Versorgungsgütern war durch den stürmischen Vormarsch und Angriff des Rgts. Am 29.5. und 30.5. unterbunden worden.

Der Erfolg des Rgts. wurde unter verhältnismässig geringen Verlusten errungen. Nach dem bisher vorliegenden Verlustmeldungen zählt das Rgt. 6 Tote und 18 Verwundete.

Übersicht über Gefangene und Beute siehe Anlage, die nachgereicht wird. Vorläufig etwa 3000. (Endgültig 256 Offz., 9103 Uffz. U. u. Mannschaften, darunter 900 Griechen).


Für die Richtigkeit:

(Gericke?)

Major i.G.

gez. Utz


Quelle

  1. Bundesarchiv