Kastelli

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1: Kommandantur 2: Kartenstelle 3: große Pfarrkirche 4: ehem. Volksschule und Kirche 5: 'Soldatenheim' 6: Gymnasium und kleine Kapelle

Kastelli (Καστέλλι, von „Kastell, Burg“) ist eine Gemeinde (Δήμος, Dimos) und ein Ort in der Präfektur (Νομός, Nomos) Iraklio. Laut Volkszählung vom Jahr 2001 leben insgesamt etwa 6.800 Menschen im Gemeindegebiet. Verwaltungssitz ist der Ort Kastelli, auch Kastelli Pediadas genannt, zur Unterscheidung von Kastelli Kissamou im Nordwesten Kretas.

Der Ort

Die Gemeinde Kastelli liegt in Zentralkreta etwa 36km südwestlich von Iraklio. Der Ort Kastelli liegt auf einer Anhöhe in 340 Höhe am Rand einer weiten fruchtbaren Ebene, die übrige Landschaft im Gemeindegebiet ist hügelig und geht im Osten ins Dikti-Gebirge über, in dem die Lassithi-Hochebene liegt. Benannt ist die Gemeinde nach der venezianischen Burg, die sich an der Stelle des heutigen Rathauses befand. Der Namenszusatz Pediada(s) bedeutet 'Ebene'.

1900 hatte Kastelli 777 Einwohner, 1920 war der Ort Sitz der Gemeindeverwaltung zu der 821 Einwohner gehörten. Um 1920 wurde ein Gymmnasium eröffnet, die Einwohnerzahl wuchs weiter auf 930 im Jahr 1928 und 1092 im Jahr 1940.

Zwischen 1951 und 2001 wuchs die Einwohnerzahl der Gemeinde von 1380 Einwohnern auf 1692. Hauptwirtschaftszweige sind Oliven und Ölproduktion, der Anbau und die Weiterverarbeitung von Wein und die Käseproduktion.

Einen großen Teil der Ebene nimmt der Militärflughafen Kastelli ein. Nach dem Abzug der Deutschen wurde der Flughafen vom griechischen Militär weiter betrieben. Um 1970 herum diente er als ziviler Flughafen während Umbauarbeiten am Flughafen Iraklio. Es ist geplant, dort einen großen Flughafen einzurichten, der den Flughafen Irakio ablösen soll. Zur Vorbereitung wurden bereits die Zufahrtsstraßen zur Gemeinde ausgebaut.

Photo Robert Lebold

Ortsteile und Siedlungen

Der Ort Kastelli war bis 1994 Verwaltungssitz der Eparchie Pediadas. Seit der Gemeindereform 1998 gehören zum Gemeindegebiet von Kastelli 25 Dörfern und die Ausgrabungsstätte des dorischen Lyktos:

Agia Paraskevi (Αγία Παρασκευή) - Amariano (Αμαριανό) - Apostoli (Αποστόλοι) - Archangelos (Αρχάγγελος) - Armacha (Αρμάχα) - Aski (Ασκοί) - Bitzariano (Μπιτζαριανό) - Diavaide (Διαβαϊδέ) - Epano Karouzana (Επάνω Καρουζανά) - Evangelismos (Ευαγγελισμός) - Galeniano (Γαλενιανώ) - Geraki (Γεράκι) - Kardouliano (Καρδουλιανώ) - Kastelli (Καστέλλι) - Kastmonitsa (Κασταμονίτσα) - Kato Karouzana (Κάτω Καρουζανά) - Lagou (Λαγού) - Liliano (Λιλιανό) - Lyttos (auch Lyktos) (Αρχαία Λύττος ή Λύκτος) - Mathia (Μαθιά) - Polythea (Πολυθέα) - Sklaverochori (Σκλαβεροχώρι) - Smari (Σμάρι) - Tichos (Τοίχος) - Tzigkounas (Τζίγκουνας)

Kastelli unter deutscher Besatzung

Im November 1940 bauten alliierte Truppen auf Kreta Verteidigungsstellungen gegen einen möglichen deutschen Angriff auf. In der Ebene bei Kastelli begannen sie, einen Flughafen zu bauen. Diese Arbeiten wurden von den deutschen Besatzern nach Mai 1941 fortgeführt, wobei tausende Kreter zur Zwangsarbeit herangezogen wurden [1]. Den Dorfvorstehern wurden harte Strafen angedroht, wenn die Einwohner nicht ihrer Arbeitsverpflichtung nachkamen.

Eine deutsche Kommandantur wurde bei Diavaide eingerichtet, im Gymnasium von Kastelli, dem heutigen Rathaus, wurde die Luftbildaufklärung untergebracht. Im Ort waren starke Besatzungstruppen stationiert. Nahrungsmittel und Holz mussten die umliegenden Dörfer stellen, wobei der Bestand an alten Eichen deutlich dezimiert wurde.

Der Flughafen war häufig Ziel alliierter Bombardierungen und von Sabotageakten alliierter Agenten und kretischer Widerstandskämpfer. Damit sollte die Versorgung der deutschen Truppen, die in Nordafrika kämpften, unterbunden werden. Auf die Sabotageaktionen reagierten die Deutschen mit der Erschießung von Geiseln in Iraklio und der Verhaftung und Folterung von Einwohnern der Gemeinde.

Siehe auch:

Deutsche Militärische Einheiten in Kastelli[2]

  • Standortältester und Fliegerhorstkommandant war vom Sommer 1942 bis Mai 1944 Major Trost. Nachfolger wurde ab Mai 1944 bis 24.9.1944 ein Hauptmann der Flak von Kastelli, der am 17.9.44 mit seinem Stab in das Gymnasium von Kastelli zog. Er wurde mit seinem Fahrer durch ein Missverständnis von Engländern oder von Partisanen erschossen.
  • 2.(F)123: die einzige Luftwaffeneinheit, die fest stationiert war, war vom 3.5.1942 bis zum 17.9.1944 in Kastelli. Staffelkapitäne: 3.5.42 – 6.11.42 Hptm. Bayer, 6.11.42 – April 43 Major Kaatsch. Aufgabenbereich: Seeaufklärung und Luftbildaufklärung der Häfen und Flugplätze Mittelmeer-Ost: Ägypten, Libyen, Libanon, das heutige Israel und Cypern. Nach der Rückverlegung an 19.3.1943 nach Athen/Tatoi blieb ein Einsatzkommando in Kastelli-Pediados zurück. Der letzte Kommandoführer war Luftbild-Oberfeldwebel R. Lebold bis zum 17.9.1944.
  • Fliegerhorst-Kompanie E8/VII: Das Vorkommando der Fliegerhorst-Kompanie E8/VII war bereits im Dezember 1941 in Sklaverochorio (Dorf in der Gemeinde Kastelli) bei einem Olivenbauer vorübergehend untergebracht. Die Flugleitung befand sich in dieser Zeit in einem Zelt am Nord-Ostende des Flugplatzes.
  • Die Baukompanie ergänzt durch kretische Facharbeiter gehörte zur Fliegerhorst-Kompanie. An der Westseite des Flugplatzes wurde 1942 eine Baracke für die Flugleitung und Wetterwarte errichtet, In der Nähe dieser Baracke wurde ein Beton-Bunker für die Nachrichten-Vermittlung gebaut, Die Kommandantur war Anfang 1942 in Kastelli untergebracht. Anschließend 1942/43 in einem Steingebäude oberhalb der Straße von Kastelli nach Diaweide.
  • Flak-Kompanie: Ausgerüstet nur mit 7,5 cm Beuteflak, anwesend seit Anfang 1942 bis 24.September 1944, dann abgesetzt nach Westkreta.
  • Infanterie: Anwesend seit etwa Juli / August 1941 bis Anfang 1943. Die Infanterie wohnte verteilt in Häusern von Kastelli; dann wurde sie verlegt u.a. nach Ägypten und Tunis

Einzelnachweise

  1. Anweisung des Festungskommandanten Kreta, 1405 Arbeitskräfte zum Arbeitseinsatz auf dem Flughafen Kastelli zu stellen vom 6.3.1942 Dokument: Arbeitseinsatz Flughafen Kastelli 6.3.1942
  2. handschriftliche Aufstellung von Robert Lebold vom 7.11.1991, Korrektur am 1.3.2003

Weblinks