Kreipe

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Heinrich Kreipe

Karl Heinrich Georg Ferdinand Kreipe (* 5. Juni 1895 in Niederspier (jetzt OT von Großenehrich im Kyffhäuserkreis); † 14. Juni 1976 in Northeim oder Hannover) war deutscher Generalmajor.


Leben

Kreipe war 13. von 15 Kindern des evangelischen Pastoren Friedrich Kreipe und seiner Ehefrau Maria (geb. Pfannschmidt). Er besuchte das Gymnasium in Sondershausen.

Auf Kreta ist sein Name bekannt, weil er als General während des Zweiten Weltkrieges von britischen Soldaten auf Kreta entführt wurde. Kreipe verstand sich als Berufssoldat und war Offizier bereits im Ersten Weltkrieg, unter anderem bei Verdun. Auch in der Weimarer Republik blieb er als Offizier tätig, u.a. als Lehrer in der Kriegsschule Hannover.

Er war im zweiten Weltkrieg - bevor er nach Kreta kam - an der Belagerung von Leningrad (heute: Sankt Petersburg) beteiligt. 1944 wurde er Kommandeur der 22. Infanterie-Division auf Kreta (Griechenland) und zum Generalleutnant befördert.

Er erhielt mehrere militärische Auszeichnungen (u.a. Eisernes Kreuz I. und II. Klasse sowie Ritterkreuz).

Entführung

Am Abend des 26. April 1944 wurde er in einer spektakulären Aktion von Patrick Leigh Fermor und William Moss im Auftrag der britischen Special Operations Executive-SOE und kretischen Andarten (Andartis (ΑΝΤΑΡΤΗΣ); griechisch für Partisan, Widerstandskämpfer) bei Archanes entführt. Über Kairo und London wurde er nach Kanada verbracht und wurde im Oktober 1947 nach Deutschland aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Am Tag der Entführung, einem Mittwoch, verließ Kreipe sein Dienstquartier in Ano Archanes als bereits Dunkelheit herrschte. Er wollte zu seiner Wohnung in Knossos („Ariadne“- Villa, auch als Arthur Evans-Villa bekannt), kam dort aber nicht an. An der Auffahrt von Archanes auf die Straße nach Knossos (Richtung Heraklion) wurde er an einem - vermeintlich deutschen - Kontrollpunkt gestoppt und er sowie sein Fahrer wurden schnell überwältigt. Der Fahrer, ein 30jähriger Unteroffizier aus Hamburg, wurde von Kreipe getrennt und später getötet, als die Entführer fürchteten, er würde anrückende deutsche Soldaten auf sich aufmerksam machen.

Kreipe wurde von seinen Entführern zunächst über Heraklion in den Norden verbracht. Später ging es über das Ida-Gebirge in den Süden der Insel (zu Fuß und teilweise mit Maultier). Dort wurden die Entführer und Kreipe bei Rodakino dann von einem britischen Motorboot abgeholt. Der Marsch durch Kreta dauerte bis zum 15. Mai. Technische Probleme bei der Durchführung und vor allem die deutschen Besatzungstruppen zwangen immer wieder zu ungewollten Umwegen und Pausen.

Die deutsche Wehrmacht sollte getäuscht werden und glauben, dass ausschließlich britische und reguläre griechische Soldaten an der Entführung beteiligt waren. Diese Täuschung gelang nicht. Die Wehrmacht machte die kretische Bevölkerung mitverantwortlich, da die benutzten Wege und Verstecke ohne die Kreter nicht hätten benutzt werden können.

Mehrere Dörfer wurden von den deutschen Besatzern in „Sühnemaßnahmen“ geplündert und zerstört. Die Einwohner wurden meist ermordet. Hans Prescher nennt sechs Dörfer mit 176 Ermordeten.<br.> Als Gründe für die Entführung gelten der Versuch, die Kampfmoral und das Durchhaltevermögen der Kreter zu stärken und gleichzeitig die Kampfmoral der Wehrmacht zu schwächen. Ferner wurde auf ein Prestigegewinn für die Alliierten gesetzt.<br.> Ursprünglich sollte General Friedrich-Wilhelm Müller (Kreipes Vorgänger auf Kreta) entführt werden, denn er war für mehrere bereits begangene Kriegsverbrechen der Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung auf Kreta (Zerstörung mehrerer Dörfer bei Ano Viannos) verantwortlich. Überraschend wurde er allerdings nach Berlin abberufen und durch Kreipe ersetzt.

Nach Kreipes Entführung wurde Müller wieder nach Kreta zurück beordert und zum Kommandanten der "Festung Kreta" ernannt. Er setzte sein brutales Vorgehen fort und wurde wegen seiner Kriegsverbrechen 1947 hingerichtet. Kommandeur der 22. Infanterie-Division wurde Generalleutnant Helmut Friebe.

Späteres Geschehen

Nach der Freilassung aus der Kriegsgefangenschaft kehrte Kreipe nach Deutschland zurück. Er lebte bis zu seinem Tod mit seiner Frau Ilse, geb. Behrens, zurückgezogen in Hannover. In Hannover-Ricklingen liegt er begraben.

Kreipe äußerte sich öffentlich nicht zu den Ereignissen auf Kreta. Allerdings traf er sich im Mai 1972 in Athen für eine Fernsehsendung mit seinen früheren Entführern.

Am Ort der Entführung bei Ano Archanes steht heute ein Denkmal des kretischen Künstlers Manolis Tsombanakis. Jedes Jahr am 20. Mai werden dort Kränze niedergelegt für die von den Deutschen „zur Strafe für die Hilfe bei Kreipes Entführung“ ermordeten Kreter.

Literatur

  • W. Stanley Moss: Ill met by moonlight. 1950; Neudruck 2004 (1957 unter diesem Titel auch als Spielfilm verarbeitet).
  • George E. Harokopos: Die Entführung von General Kreipe. (dt. Ausgabe 2002)
  • Hans Prescher: General Kreipe wird entführt. Mähringen 2007
  • Eberhard Fohrer: „Kreta“ Reiseführer. Michael-Müller-Verlag, 16. Auflage 2006.

Weblinks



Dieser Beitrag wurde am 29.3.2008 aus der deutschsprachigen Wikipedia kopiert und für das Kreta-Wiki leicht bearbeitet. Heinrich Kreipe in der Wikipedia. Die Versionsgeschichte und die Autoren sind hier zu finden. Lokale Kopie der GNU Free Documentation License