Kreipes Chauffeur

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Alfred Fenske in Archanes

Die Entführung des General Kreipe sollte nach dem Willen der Hauptverantwortlichen unblutig verlaufen. Kreipes Chauffeur, ein 30jähriger Unteroffizier, sollte mit einem Teil der Entführergruppe zu Fuß zum Psiloritis gebracht werden, um dort mit den anderen und Kreipe zusammen zu treffen. Unter Umständen, über die es widersprüchliche Aussagen gibt, wurde er in der Nähe von Agios Sillas (Gemeinde Profitis Ilias), getötet. Er war in Archanes stationiert und es gibt einige ältere Einwohner, die sich an ihn als angenehmen Menschen erinnern und seinen Tod bedauern. Auch Patrick Leigh Fermor, der Leiter der Entführung äußerte gegenüber mehreren Gesprächspartnern Bedauern über den Tod des Fahrers, Manolis Paterakis, ein kretischer Beteiligter, ging bei der Einweihung des Friedhofs Maleme auf den Sohn des Fahrers zu mit der Bemerkung: "Das war ein schreckliches Verbrechen."[1]

Irini Tachataki, ehemalige Lehrerin in Archanes, erinnert sich selbst an ihn und hat ihm in ihrem Buch Die Entführung des General Kreipe ein Kapitel gewidmet[2] .

Irini Tachataki: Der Chauffeur des Generals

Kreuzung bei Katoa Archanes / Patsides, wo der General entführt wurde. Die gebrochene Stele symbolisiert die gebrochen Macht der Achsenmächte Deutschland und Italien)

Erwähnenswert sind an dieser Stelle die Informationen, die wir über den Chauffeur des Generals, den Lenkers der berühmten Opel-Limousine und Vertrauten von Kreipe zusammengetragen haben. Sein Name ist Alfred Fenske, wie uns sein Reisepaß verrät, den Kapetanios Pavlis Zografistos als Andenken zurückbehalten hatte, als er ihn mit jener Truppe abgeholt hatte, die ihn auf den Psiloritis bringen sollte, um dort den General zu treffen. Es war geplant, dass er gemeinsam mit Kreipe in den Mittleren Osten verbracht werden sollte.

Suche deutscher Soldaten nach dem General. Kreipes Chauffeur und Ort der Entführung. Deutsches Hauptquartier in Archanes

Der Chauffeur fühlte sich nach dem Hieb, dem ihm Moss versetzt hatte, schwindelig, Pavlis zog ihn aus dem Auto und brachte ihn kriechend zu einem Versteck an der Straße. Noch immer benommen und von dem Gedanken erschrocken, dass er in die Hände von Freiheitskämpfern gefallen und sein Leben in Gefahr sei, öffnete er so halb und halb seine Augen und als er langsam wieder richtig zu Bewusstsein kam, war das Erste, was er fragte: „General?“. In gebrochenem Deutsch beruhigte ihn Kapetanios Pavlis. Er sagte zu ihm: „Dem General geht’s gut und Du bist auch nicht in Gefahr. Du befindest Dich in guten Händen, sie werden Dich nicht töten, sondern zum General bringen, damit ihr Kreta verlasst.“ In der Zwischenzeit war auch Ilias Athanasakis zu ihnen gestoßen. Sie wuschen den Chauffeur mit Wasser, kühlten seinen Kopf und das zerschlagene Gesicht, bis er sich genügend erholt hatte. Er fasste wieder Mut, auch durch die Anwesenheit von Ilias Athanasakis, den er vom Sehen kannte, weil sie sich in der Gegend von Knossos zufällig getroffen hatten, wohin Ilias regelmäßig Abstecher wegen des Dienstes seines Vaters bei den archäologischen Ausgrabungen machte.

Archanes4.jpg

Er schaute Ilias daher mit fragenden Blicken an und der beruhigte ihn mit einem freundschaftlichen Blick. Zuständig für den Plan, den Chauffeur auf den Psiloritis zu bringen, waren Kapitän Chnarakis, Zoidakis, Papaleonidas und Komis. Es war nicht geplant, dass Pavlis ihnen folgen sollte und so mussten sie sich nach einiger Entfernung trennen. An der Stelle von Vasilies – Agios Vassilis, an der Straße, die nach Malades hinaufführt. Im Augenblick des Abschieds drehte sich Alfred um und schaute Kapitän Pavlis mit einem vorwurfsvoll an, so als ob er ihm sagen würde: „Wie, Du lässt Du mich jetzt mit jenen allein? Was wird mein Schicksal bei ihnen sein?“ Er beruhigte ihn und trug den anderen auf, auf ihn aufzupassen und ihn dort, wo der Plan es vorsah, zu übergeben.

Sie nahmen ihn mit und setzten ihren Weg auf den Psiloritis fort. Als sie dann nach eineinhalb Nächten am „Petrodolakia“ ankamen, fragten alle, die sich dort befanden: „Wo ist er? Was ist mit dem Chauffeur des Generals passiert?“ Antonis Zoidakis übernahm es, ihnen die traurigen Ereignisse zu erklären: „Der Chauffeur wurde getötet.“

...

Kreipe Fahrer.jpg

Und noch etwas aus seinem Leben – als Chauffeur des Autos des Oberbefehlshabers der Garnison Kreta war er immer in dessen Nähe. Er brachte ihn von der Villa Ariadne, seiner Unterkunft, ins Hauptquartier nach Archanes und wieder zurück. In der Zeit, in der Kreipe im Hauptquartier arbeitete, hatte der Chauffeur ein Haus als Bleibe, wo er sich mit den anderen deutschen Soldaten aufhielt. Sie hatten ein großes Zimmer, den Salon, im Haus des Marko Lydakis, neben meinem Elternhaus, beschlagnahmt.

Das habe ich erst kürzlich von der unvergesslichen Hausherrin, meiner Tante Katina Lydakis, erfahren, als ich eines Tages, bevor sie starb, mit ihr über einige Ereignisse dieser Zeit gesprochen habe. Die geschätzte Frau hat mir 1987 erzählt, „Hier hat der Chauffeur des Generals gewohnt, mein Kind, hier in meinem Salon, aber er war nicht ständig da.“ „Wie hieß er?“ fragte ich, um die verschiedenen Auskünfte abzugleichen, da sich auch schon sein Pass und seine Fotos in meinen Händen befanden. „Er hieß Alfredo, wenn ich mich richtig erinnere.“ „Wie war er so?“ „Groß, mager, dürr, aber jung und sympathisch. Wir haben nicht viel miteinander gesprochen. Er sprach aber mit meinem Stellio, der damals ein kleines Kind war. Er hat die Kinder sehr gern gehabt. Es war, als ob er seinen eigenen anschaute und hin und wieder gab er dem Kleinen Schokolade. „Piccolo, Schokolade“ sagte er zu ihm und gab sie ihm. Und ganz wenige Male kam er ins Zimmer, das mit dem Fenster auf die Straße hinaus, in dem wir die Nachmittage verbrachten. Meine Nichte Eulalia Kanetaki war da, Marika, meine Tochter und der kleine Stelios. Er brachte ihm Schokolade und saß kurz bei unserer Gesellschaft, weil Eulalia Deutsch sprach. Während der ganzen Zeit, die er dort saß, hielt er seine Pistole und drehte sie in seinen Händen hin und her. Da sagte die zwischenzeitlich verstorbene Eulalia zu ihm. Alfredo, steck die Pistole weg, ich fürchte mich.“ „Warum fürchtest Du Dich?“ sagte er. "Ich muss mich fürchten, ich habe geträumt, dass sie mich in drei Tagen umbringen werden.“

Und tatsächlich, drei Tage später wurde auch er ein Opfer des Krieges, den uns seine Heimat mit dem paranoiden Hitler beschert hat – sein Lebensfaden riss im Alter von 28 Jahren. Und er hatte Frau und Kind .... dieser schauderhafte Krieg .... !!!

Fußnoten

  1. Mündliche Aussage des Sohns des Fahrers im Mai 2008 in Archanes.
  2. Für Kreta-Wiki freundlicherweise übersetzt von Reinhilde Digruber