Synagoge Chania

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Rothschild-Tor, der Eingang zur Etz Hayyim Synagoge Chania vom Parodos Kondylaki aus

Die Synagoge Etz Hayyim wurde wenige Tage nach der Internierung der Gemeinde am 29.Mai 1944 entweiht. Ein Augenzeuge berichtet, daß etwa eine Stunde nachdem die 263 Gemeindemitglieder auf Lastwagen verfrachtet worden waren - 'als die Bettwäsche noch warm war vom Schlafen der Leute' - zuerst deutsche Soldaten, dann die nicht-jüdischen Nachbarn mit Lautsprechern aufgefordert wurden, sich aus den leeren Häusern zu holen, was immer sie wollten. Tische, Stühle, Bettwäsche, Besteck, Geschirr und Kleidung häufte sich bald in den Straßen und verschwand fast sofort.

Zu dieser Zeit war nur eine der beiden Synagogen Chanias verblieben. Die andere, Beth Shalom, die mittelalterliche Synagoge, die in der Mitte des 19.Jahrh. restauriert worden war, war 1941 durch einen direkten Bombeneinschlag zerstört worden. Damals war auch die Mehitza, der Frauenbereich, der sich an der Südwand der Synagoge über der Mikveh (dem Frauenbad) befand, so stark zerstört worden, daß er eingerissen wurde. In den Jahren der Besatzung bis zur Verhaftung der Gemeinde diente dann Etz Hayyim sowohl den Sephardischen wie den Romaniontischen (Bezeichnung für griechischspachige Juden des Balkan) Juden von Chania.


Es wird berichtet, daß einige Tage nach der Internierung im Mai 1944, während die Gemeinde noch im Gefängnis von Agia eingekerkert war, Wehrmachtssoldaten in die Synagoge eindrangen. Alle religiösen und liturgischen Gegenstände, Bücher und wahrscheinlich auch das Gemeindearchiv wurden entfernt und auf den Hinterhof des jetzigen Archäologischen Museums geworfen, der damals als Militärdepot benutzt wurde. Was damit geschah, ist nicht bekannt, es gibt aber einige nicht nachweisbare Hinweise, daß Tephillin, Siphrei Torah, Siddurim und wahrscheinlich die Bücherei und religiöse Textilien dabei waren. Zumindest ein Band des Talmud befand sich bis vor kurzem in der Bibliothek des Klosters von Gournia, dem Griechisch-Orthodoxen-Ökumenischen Zentrum. Der Band enthielt die ex libris des letzten Ober-Rabbiners von Chania, Abraham Evlagon, der 1933 starb. Angeblich befinden sich eine Sepher Torah und Kettubah noch im Historischen Museum von Chania, obwohl beides dort bis jetzt nicht lokalisiert werden konnte.


Grundriß der Synagoge von der Website etz-hayyim-hania.org

Wenige Tage nach der Internierung wurde das jüdische Viertel von Hausbesetzern belegt. Auch die leerstehende Synagoge wurde den Besetzern übergegeben und die machten sich schnell daran, die Marmor-Bodenfliesen im Altarraum, die Fliesen in der Mikveh und die Wände aufzuschlagen auf der Suche nach möglichen Goldverstecken. Die drei Gräber von Rabbinern im südlichen Innenhof wurden mit Vorschlaghämmern aufgebrochen und die sterblichen Überreste in der Gegend verstreut.

Das Innere der Synagoge wurde mit provisorischen Trennwänden aufgeteilt, wobei befremdlicherweise Elemente der Bema und Ehal und die Bänke benutzt wurden. Der steinerne Giebel über dem Eingang wurde herausgebrochen und Teile davon, auch die hebräische Inschrift, zum Auffüllen der Öffnung benutzt, durch die früher die Frauen von der kleinen Mehitza über der Shamah-Loge im Nordhof in die Synagoge schauten.


Mikveh, das Frauenbad der Etz Hayyim Synagoge

Die Ganiti-Inschrift über dem Eingang der eigentlichen Synagoge wurde ausgemeißelt und eine Lampenhalterung dort angebracht.

Das Innere des Mikveh (Frauenbads) litt nicht weniger. Eine Öffnung wurde mit Ziegeln verschlossen und eine Trennwand zwischen dem rituellen Baderaum und dem Umkleidebereich errichtet.

Alle gotischen Bögen in der Synagoge wurden ebenfalls mit Ziegeln aufgefüllt und quadratische Fenster eingebaut.


Quelle: Übersetzung eines Textes der Website der Etz Hayyim Synagoge mit freundlicher Genehmigung.



Siehe auch: Die Juden von Kreta

Einige Begriffe, die zum jüdischen Ritus gehören, sind mir noch nicht bekannt, sie wurden hier bis zur weiteren Klärung kursiv gesetzt. AW


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